Zukunft Gebucht Branchentalk Folge 2 mit Manuela Machner (KI-Expertin für den Tourismus), Thomas Hefke (ehem. Althoff Hotels) und Björn Twardy (Brera Serviced Apartments)

Gäste suchen nicht mehr, sie fragen ChatGPT, Gemini oder Perplexity, wo sie übernachten sollen. In Folge 2 von Zukunft gebucht diskutieren Olga Heuser (DialogShift) und Anton von Verschuer (RateBoard) mit Manuela Machner, Thomas Hefke und Björn Twardy, was das für die Hotelwebsite bedeutet und wie ein Hotel für die KI sichtbar bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Manuela Machner glaubt, dass die Hotelwebsite langfristig verschwindet, mittelfristig aber gebraucht wird, weil die Daten irgendwo stehen müssen.
  • KI-Systeme vertrauen Quellen, die Beweise liefern: Booking.com, Google Business Profil, Themenplattformen, Destinationsseiten, YouTube und sogar Reddit.
  • In Manuela Machners Analyse für Österreich zitiert Gemini fast nur das Google Business Profil, die Google AI Overviews dagegen kaum.
  • Widersprüchliche Angaben auf verschiedenen Plattformen schaden der Sichtbarkeit, weil die KI dann nicht weiß, was stimmt.
  • Thomas Hefke wurde laut Googles KI-Suche bester Speaker der OMR 2026, ohne dort einen Vortrag gehalten zu haben.

Olga Heuser beginnt die Folge mit ihrer eigenen Reise ins Silicon Valley. Die KI hat Orte, Restaurants und Hotels für sie ausgesucht und sie im Auto durch San Francisco gefahren. Ausnahme oder neue Realität? Darum geht es in Folge 2.

Stirbt die Hotelwebsite?

Langfristig ja, sagt Manuela Machner, KI-Expertin für Tourismus. Sie vergleicht die Website mit dem Telefonbuch, in dem früher jeder Betrieb stehen musste. Für die nächsten Jahre braucht ein Hotel die eigene Website aber weiter, weil die Daten irgendwo stehen müssen. Wie sie aussieht und ob sie dann noch Website heißt, ist offen.

Thomas Hefke, früher VP Digital und Head of E-Commerce bei den Althoff Hotels, erklärt einer KI ein Hotel so, wie man es der besten Freundin erklären würde. Erst die harten Fakten, dann genau die Informationen, die sie für eine gute Entscheidung braucht.

Warum empfiehlt die KI so oft Booking.com?

KI-Systeme suchen die beste Antwort für den, der fragt, und brauchen dafür Vertrauen. Booking.com hat viele aktuelle Daten und Bewertungen von echten Gästen, deshalb vertrauen ihm die Systeme besonders. Für Manuela Machner geht es aber um mehr als eine Plattform. Ein Hotel muss auf vielen Ebenen beweisen, dass es hält, was es verspricht.

Olga Heuser nennt eine internationale Studie aus der Vorbereitung. Mehr als die Hälfte der Quellen, die KI bei Hotelempfehlungen zitiert, sind OTAs. Nur 11,8 % sind Websites von Einzelhotels. Eine hohe Präsenz in Drittquellen wie YouTube, Reiseblogs, Presseartikeln und Reddit erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Empfehlung laut dieser Studie um den Faktor 6,5.

Thomas Hefke sieht darin auch eine Chance für spezielle Häuser. Wer ein romantisches Hotel am Tegernsee sucht, landet bei drei bis fünf Kandidaten. Bei solchen Themenfragen traut die KI dem einzelnen Hotel eher zu, ob es wirklich romantisch ist, als einer Buchungsplattform.

Welche Quellen nutzt die KI für Hotelempfehlungen?

Welche Quellen zählen, hängt vom Tool ab. In Manuela Machners Analyse der Zitierquellen für Österreich nutzt Gemini fast nur das Google Business Profil, die Google AI Overviews dagegen kaum. ChatGPT sucht über den Index von Bing und liest Google-Business-Einträge nicht. Deshalb lohnt es sich, das Profil einmal mit Bing zu verknüpfen.

  • Google Business Profil: Thomas Hefke hält es für völlig unterschätzt. Er rät, Angebote zu pflegen und eigene Bilder hochzuladen, sonst zeigt Google die Fotos der Gäste.
  • Themenplattformen: Bei Fragen nach Wellness, Familie oder Romantik zitiert die KI Wellness- und Familienportale. Ein Bikehotel sollte also auf Bikehotel-Plattformen gut gelistet sein.
  • Destinationsseiten: Die Websites der Tourismusregionen sind laut Manuela Machner starke Quellen. Dort steht oft noch, dass die Zimmer 1996 renoviert wurden. Prüfen kostet meist nichts.
  • YouTube, TikTok und Reddit: In ihrer Analyse liegt TikTok bei ChatGPT auf Platz 7 der Quellen, und Reddit zählt selbst mit wenigen Einträgen als Vertrauensfaktor.

Bei Videos zählt vor allem der Text dazu. Das schönste Hotelvideo mit der Beschreibung „Schönen Urlaub bei uns“ verrät der KI nichts.

Warum müssen die Daten überall gleich sein?

Die KI gleicht ab, was sie auf verschiedenen Plattformen findet. Steht auf einer Seite Check-out bis 11 Uhr und auf der nächsten bis 12 Uhr, weiß sie nicht, was stimmt. Sobald es einen Widerspruch gibt, straft die KI das ab, waren sich die Gäste einig. Thomas Hefke nennt das Beispiel Öffnungszeiten, die auf der Website, bei Google und bei Booking.com unterschiedlich sind.

Auch Bewertungen fließen ein. Björn Twardy, Head of IT bei Brera Serviced Apartments, betont, wie viel die KI aus Gästebewertungen liest. In der Runde kommt ein weiterer Tipp dazu. Die KI liest auch die Antworten des Hotels. Ein knappes „Danke für die tolle Bewertung“ verschenkt die Chance, wichtige Punkte zu platzieren.

Lohnt sich eine eigene App in ChatGPT?

Nein, sagt Manuela Machner. Sie schult täglich und hat noch keinen Teilnehmenden getroffen, der eine App in ChatGPT nutzt. Es gibt auch kein Signal, dass ChatGPT ein Hotel nur wegen einer App öfter empfiehlt. Thomas Hefke sieht ebenfalls größere Hebel. Wer seine Hausaufgaben bei Website, Profilen und Bewertungen noch nicht gemacht hat, sollte dort anfangen.

Wann buchen Gäste direkt in der KI?

Hier gehen die Meinungen auseinander. Manuela Machner erwartet, dass Gäste schon bald mit einem KI-Agenten wie Google Gemini ein Hotel buchen. Sie glaubt, dass viele Menschen ihrem KI-Assistenten mehr vertrauen als Booking.com oder dem Hotel selbst.

Thomas Hefke rechnet eher mit fünf bis zehn Jahren. Die Suche läuft dann im Chat, gebucht wird weiter auf einer Plattform oder der Hotelwebsite. Shopping in Facebook, Instagram oder TikTok hat sich auch nicht durchgesetzt. Bei Entscheidungen mit Geschmack, etwa ob das Badezimmer gefällt, wollen Menschen selbst wählen.

Björn Twardy würde seinen Sommerurlaub sofort per KI buchen, sobald es geht. ChatGPT hat die Buchungsfunktion im März 2026 wieder herausgenommen, Google arbeitet daran. Er erwartet, dass Gäste künftig ihr Bedürfnis beschreiben statt eine Zimmerkategorie zu wählen, zum Beispiel ein ruhiges Zimmer für die Familie mit lauten Kindern. Bei Brera mit 11 Häusern, 800 Apartments und 48 Mitarbeitenden kommen Buchungen heute noch vor allem über Google Ads.

Was sollten Hotels jetzt tun?

Manuela Machner fasst es in zwei Schritte. Erst festlegen, auf welche Frage das Hotel die Antwort sein will. Dann im digitalen Raum beweisen, dass das stimmt.

  1. Daten aufräumen. Die eigene Website mit echten Inhalten füllen statt mit schönen Bildern und wenig Text. Zimmerzahl, Zielgruppe und Angebot konkret beschreiben.
  2. Fremde Einträge prüfen. Destinationsseiten, Google Business Profil und Themenplattformen aktuell halten und überall dieselben Angaben machen.
  3. Selbst testen. Thomas Hefke rät, die Fragen der eigenen Gäste in ChatGPT und Gemini einzugeben und zu schauen, wer zitiert wird.
  4. Auf zwei bis drei Kanäle konzentrieren. Lieber YouTube, LinkedIn oder Google Business gut pflegen als auf fünf Kanälen alle drei Wochen etwas posten.

Wichtig ist auch, Suchmaschinen und KI-Crawler nicht auszusperren. Und wenn der Gast dann auf der Website landet, muss er dort schnell Antworten bekommen und buchen können.

Die ganze Story

Im Anschluss erzählt Thomas Hefke im Interview, wie er zum besten Speaker der OMR 2026 wurde, ohne dort auf der Bühne zu stehen. Er erklärt, welche Quellen er dafür genutzt hat, warum Listenformate so gut funktionieren und wo für ihn die Grenze zwischen Optimierung und Manipulation liegt.

Das gibt es nicht hier im Blog, sondern nur in der vollen Folge.

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Häufige Fragen

Wer ist in Folge 2 von Zukunft gebucht zu Gast?

Manuela Machner, KI-Expertin für Tourismus, Thomas Hefke, früher VP Digital und Head of E-Commerce bei den Althoff Hotels, und Björn Twardy, Head of IT bei Brera Serviced Apartments. Durch die Folge führen Olga Heuser (DialogShift) und Anton von Verschuer (RateBoard). Mehr zum Format steht im Artikel über den Branchentalk Zukunft Gebucht.

Braucht ein Hotel im KI-Zeitalter noch eine eigene Website?

Ja, für die nächsten Jahre schon. Die KI braucht einen Ort, an dem die Daten des Hotels stehen. Die Website sollte dafür konkrete, faktische Inhalte haben und zu den Angaben auf anderen Plattformen passen.

Wie wird ein Hotel in ChatGPT und Gemini sichtbar?

Mit klaren Daten auf der eigenen Website und Belegen in Drittquellen wie Google Business Profil, Bewertungsportalen, Themenplattformen und Destinationsseiten. Alle Angaben sollten übereinstimmen. Gemini nutzt vor allem das Google Business Profil, ChatGPT sucht über den Bing-Index.

Worum ging es in Folge 1?

In Folge 1 ging es darum, was ein Hotel unverwechselbar macht. Die Zusammenfassung steht im Artikel Was ein Hotel unverwechselbar macht, wenn der fünfte Stern es nicht mehr tut.

Über die Hosts

RateBoard

RateBoard entwickelt Revenue-Management-Software für Hotels. Das System analysiert Buchungsdaten, Nachfrage und Marktpreise und berechnet daraus automatisch optimale Zimmerpreise. So steigern Hotels ihren Umsatz und sparen Zeit bei der Preisgestaltung. RateBoard ist seit über zehn Jahren am Markt und gehört zur Zucchetti Group.

DialogShift

DialogShift ist ein Berliner Softwareanbieter für KI-gestützte Gästekommunikation in der Hotellerie. Mit Chat AI, Phone AI, Email AI und Journey Messaging beantworten Hotels Gästeanfragen rund um die Uhr auf allen Kanälen, steigern Direktbuchungen und entlasten ihre Teams.

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