DialogStory #6 - Dr. Verena Jaeschke & Tini Diekmann

Antonia Quell

Dr. Verena Jaeschke leitet in zweiter Generation das Hotel Oderberger in Berlin. Zusammen mit der stellvertretenden Hotelleitung Tini Diekmann sprechen wir über Digitalisierung, Familienunternehmen, Entrepreneurship und darüber, wieso das Oderberger “so Berlin” ist.

Dr. Verena Jaeschke (©Sophie Weise)

Im Hosenbein festbeißen wie ein Terrier
und nicht loslassen

Dr. Verena Jaeschke leitet in zweiter Generation das Hotel Oderberger in Berlin. Zusammen mit der stellvertretenden Hotelleitung Tini Diekmann sprechen wir über Digitalisierung, Familienunternehmen, Entrepreneurship und darüber, wieso das Oderberger “so Berlin” ist.

“Also meine Mutter sagt immer: im Hosenbein festbeißen wie ein Terrier und nicht loslassen. Nicht aufgeben. Und das haben wir total verinnerlicht”, erinnert sich Verena Jaeschke. Zusammen mit ihrer Mutter Barbara Jaeschke und ihrer Schwester Dr. Reemda Jaeschke leitet sie das Boutique Hotel im Berliner Prenzlauer Berg, das eine ganz besondere Geschichte erzählt.
Das Oderberger ging im Jahr 2012 aus den Sanierungsmaßnahmen eines denkmalgeschützten Stadtbads hervor. Seitdem hat es den wohl schönsten Pool, den man sich vorstellen kann. Besonders toll: Das Stadtbad ist für alle, die gerne schwimmen, zugänglich!

Das historische Stadtbad im Hotel Oderberger

“Die Gäste lieben dieses lokale Gefühl, diese Experience, dass man richtig Teil der Stadt ist. Genau das können wir mit unserem Hotel abbilden, weil es sich bei uns sehr echt anfühlt und nicht steif oder auswechselbar”, beschreibt Verena Jaeschke das Hotel Oderberger. “Wir haben Zimmer zu den Seitenflügeln, von denen man in die Hinterhöfe reinschauen kann. Viele Gäste sagen: This is so Berlin! Weil man sich gar nicht fühlt wie im Hotel, sondern man hat das Gefühl, man wohne in einem Altbau im Hinterhof und schaut in fremde Küchen”, lacht die Hoteldirektorin.

Das historische Hotel ist Teil des GLS Campus. GLS ist ein Sprachreiseveranstalter mit eigener Sprachschule in Berlin, die von Barbara Jaeschke gegründet wurde. Nun sind das Oderberger und GLS frauengeführte Familienunternehmen, die etwa 150 Mitarbeitende beschäftigen. “Verenas Mutter betreibt die Sprachschule und hat sich dann entschieden, noch schnell ein Boutique-Hotel nebenan aufzumachen, in einem angrenzenden historischen Gebäude. Und es ist was ganz Tolles draus geworden”, sagt Tini Diekmann schmunzelnd. Es scheint, als wäre Tini nicht bloß die stellvertretende Hotelleitung, sondern vielmehr eine enge Vertraute der Jaeschkes. Verena sagt, sie arbeite seit der ersten Stunde des Oderberger-Projekts mit Tini zusammen. “Wir sind ein eingespieltes Duo und ohne einander wären wir auch gar nicht da, wo wir heute stehen. Und das macht richtig viel Spaß.” 

Verena ergänzt: “Ich würde schon sagen, dass wir bei GLS einen ziemlich besonderen Vibe haben. Es fühlt sich für mich immer so an, als würden hier einfach überdurchschnittlich viele nette Menschen arbeiten. Und ich weiß nicht, ob man das damit verbinden kann, dass wir Frauen-geführt sind, aber es ist halt einfach Teil unserer Unternehmenskultur”. Wenn man Verena Jaeschke fragt, wie sie die Arbeit im Familienunternehmen wahrnimmt, ist sie sehr positiv. “Das ist eine anhaltende Herausforderung. Bei uns funktioniert es gut. Ich glaube, das ist nicht naturgegeben. Zum einen ist es einfach Glück, das muss nicht bei jeder Familie so sein. Bei uns geht es, wir sind vom Naturell sehr komplementär. Jede hat ein bisschen ihre eigenen Bereiche und unterschiedliche Stärken. Wir stehen nicht im Konkurrenzkampf. Unsere Mutter ist eine Person mit unheimlich großer Strahlkraft, aber sie ist kein Machtmensch in dem Sinne, dass sie nicht abgeben kann”, resümiert die Unternehmerin.

"Wir sind vom Naturell sehr komplementär. Jede hat ein bisschen ihre eigenen Bereiche und unterschiedliche Stärken."

Verena Jaeschke trägt die strategische Gesamtverantwortung des Hotels - von der Gestaltung, dem Housekeeping und der Technik bis hin zu Gastro-Events. Trotzdem sind die Jaeschkes mit ihrem Hang zum Unternehmertum in der Unterzahl. Laut dem aktuellen Female  Founders  Monitor  2022 gründen nach wie vor merklich weniger Frauen als Männer. “Ich glaube, das ist ein multikausales Problem. Das bedeutet aber auch, dass es viele Hebel für mögliche Lösungen gibt. Zum einen ist die Politik gefragt. Da muss man infrastrukturell Weichen stellen. Ebenso müssen die Unternehmen mitziehen”, erklärt Verena Jaeschke.

Umso wichtiger ist es, dass Frauen wie die Jaeschkes geshowcased werden. Die Führung des Oderbergers weiß nämlich ganz genau, was sie tut. Bestimmt nicht durch Zufall hat es Chatbot Odi an die Performance-Spitze unserer digitalen Helfer geschafft. Tini Diekmann unterstützt Verena bei der Hotelleitung und arbeitet gleichzeitig weiter im Bereich Sales, Revenue und Digitalisierung. Sie war es, die Chatbot Odi im Hotel Oderberger implementiert hat. Odi ist nicht nur im Hotelteam unglaublich beliebt, sondern sorgt auch im DialogShift Team für gute Laune. “Das Oderberger hat mit seinem Chatbot Success auf allen Ebenen”, sagt Olga Heuser, die Gründerin und Geschäftsführerin von DialogShift. Der fleißige Odi beantwortet 3000 bis 4000 Fragen im Monat automatisch. Jede dritte Person, die den Bot nutzt, startet eine Buchung. Die Automatisierungsrate des digitalen Helfers liegt bei über 95 Prozent. Tini erinnert sich an ihre letzte Workation: “Als ich wiederkam, habe ich die anderen gefragt, ob unsere Telefonanlage irgendwie kaputt ist. Ich hatte das Gefühl, hier stimmt was mit dem Telefon nicht”. Am Ende stellte sich heraus, dass wegen des neuen Chatbots schlichtweg weniger Anrufe eintrudeln. Wenn das nicht mal eine echte Erfolgsstory ist. Und jetzt aufgepasst! In unserer Case Study über das Hotel Oderberger verrät Tini uns, wie sie Odi zum beliebten Mitarbeiter und treuen Helfer gemacht hat.

Hellsehen können zwar auch wir nicht - das DialogShift Team ist sich aber sicher, dass Verena Jaeschke und Tini Diekmann noch einige Überraschungen für uns bereithalten. “Wir bleiben nicht stehen. Das ist ein Credo der Jaeschkes. Es geht immer weiter. Du darfst dich kurz auf einer Insel ausruhen, aber dann musst du weiter schwimmen, weil es gibt noch viele Sachen zu tun”, zitiert Tini lächelnd.

Danke liebe Verena und liebe Tini für das inspirierende Gespräch! 💙

Über das Hotel Oderberger:
Das Hotel Oderberger geht aus Sanierungsarbeiten eines historischen Stadtbads hervor und öffnete 2016 das erste Mal seine Türen im Berliner Prenzlauer Berg. Das stilvolle und gleichzeitig authentische Boutique Hotel ist ein Frauen-geführtes Familienunternehmen in zweiter Generation. Das berühmte Stadtbad ist nicht nur für Hotelgäste zugänglich und macht das Oderberger zu einem historischen Ort mit Charme und Wiedererkennungswert.

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